Fotografiere keine Katzen.

Fotografiere keine Katzen.

Die Frau meines Neffen rief an, weil Ihre Katze vier Junge zur Welt gebracht hatte. Von denen wollte sie etwas bessere Fotos haben, als sie es mit ihrem Handy hinbekam. Also packte ich das kleine Fotobesteck ein: Kamera mit 105mm Makro, Aufsteckblitz mit kleiner Softbox und Verlängerungskabel (TTL), um mit entfesseltem Blitz arbeiten zu können.

Bei dem Abendtermin hatten wir viel Spaß, auch wenn die Katzenmama die Idee eines Fotoshootings nicht sooo toll fand. Den Kleinen hat das aber gar nichts ausgemacht. Zumindest was man so erkennen konnte. Denn mit geschlossenen Augen ist der Gesichtsausdruck nicht richtig vielsagend. Handgroße Fellknäuel, die ganz zart quietschen, wenn sie nach Mama rufen. Zum schwach werden… [Hmmm – sollen wir oder sollen wir nicht? Eine Katze für unsere Familie? In der Wohnung? Ohne Auslauf? Neee. Die sind aber auch sowas von süß…]

Katze in der Wohnung? Geht gar nicht.

Ich wollte keine Katze in unserer Dachgeschosswohnung. Nicht falsch verstehen: ich liebe Katzen! Aber genau deswegen. Unsere Wohnung ist groß genug, aber wir können einer Katze keinen Auslauf bieten. In der vierten Etage unmöglich. Ich hielt das damals für Tierquälerei. Ganz falsch lag ich damit ja auch nicht.

In der Zeit, in der ich die Fotos machte, konnte ich oft nachts nicht gut schlafen (hatte nichts mit den Katzen zu tun). Nachdem ich die Bilder bearbeitet hatte, fing ich zum ersten Mal in meinem Leben an, über Katzenhaltung zu recherchieren. Nach vielen Stunden und viel Mist stieß ich auf einen Video-Blog, der mich faszinierte. reingetigert.com wird von der Österreicherin Katharina Neuburger erstellt und gepflegt und ist von der Machart her sehr modern, kurzweilig, die Beiträge nicht selbstverliebt sondern nutzerfreundlich aufbereitet. Es geht um Themen, die den Katzenliebhaber wirklich interessieren. Ich merkte, Katzenhaltung geht auch ohne Plüsch und eine Wohnung, die von Katzenspielzeug dominiert wird. Und siehe da, Katharina hatte genau zu der Frage ein Video produziert, die mich gerade beschäftigte.

Fünf Gründe warum Du eine Katze nicht alleine in der Wohnung halten solltest.

  • Katzen sind keine Einzelgänger! Sie jagen nur alleine. Sie brauchen Austausch mit anderen Katzen.
  • Der Mensch reicht als sozialer Kontakt für eine Katze nicht aus. Und er ist in der Regel auch nicht die ganze Zeit in der Wohnung (Arbeit, Urlaub).
  • Katzen leiden, wenn sie nicht den benötigten Aktionsradius von 1 km² (bei kastrierten) bekommen. Einzelhaft wäre eine zusätzliche Verschärfung.
  • Besonders Kitten (also heranwachsende Katzen) leiden unter Einzelhaltung, denn sie sind sehr verspielt und müssen noch sehr viel artgerechtes Verhalten lernen.
  • Einzelhaltung macht Katzen psychisch krank. Sie werden nicht ruhiger (eine häufige Fehlinterpretation) sondern resignieren. Oft erst nach ein paar Jahren. Mögliche Auffälligkeiten: Katzen werden agressiv, oder unsauber oder verlieren den Spieltrieb.

Quintessenz aus dem Video: eine Katze ohne Auslauf alleine in der Wohnung zu halten ist nicht artgerecht und schadet ihr. Bei zwei oder mehr Katzen sieht das anders aus, weil artgerechter sozialer Kontakt möglich ist. Vorausgesetzt natürlich, die Wohnung bietet zudem passende Spiel- und Aufenthaltsmöglichkeiten. Diese Aussagen konnte ich durch eine Reihe weiterer nächtlich recherchierter Artikel und Videos aus zuverlässigen Quellen bestätigen. Diese Nacht war also richtig produktiv.

Das zweite Katzenshooting.

Beim zweiten Shooting hatte ich aus dem ersten fotografisch bereits ein wenig gelernt und hatte meinen Sohn Adrian als lebendes Stativ mitgenommen. Das Shooting lief super, die Katzen und wir hatten viel Spaß. Entscheidend war aber: Adrian war auch von den Katzen begeistert und ich war mir sicher, von dem Wurf möchte ich zwei haben. Zwei Brüder, das wäre es doch! Und tatsächlich waren zwei auch noch nicht an andere versprochen. Nach kurzer Diskussion mit der Familie stand dann die Entscheidung fest – wir nehmen zwei Katzen zu uns auf. Und mit diesem ‚wir‘ war natürlich gemeint, dass sich alle gemeinsam um die Katzen kümmern. Was bis heute super klappt.

Für mich war das ein Riesenschritt. Denn mir war nicht wirklich klar, was da auf mich und uns zukommen würde. Ich war mir der Verantwortung gegenüber den Tieren sehr wohl bewusst und deswegen durchaus nicht leichtfertig. Im Normalfall hätte ich mich richtig gründlich eingelesen und alle Aspekte dieser Entscheidung abgeklopft. Aber hier war ich überzeugt: das kriegst du hin. Mach das jetzt einfach mal. Alles andere ergibt sich auf dem Weg. Und du kriegst es auch deshalb hin, weil du Katzen liebst!

 

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